Musikalisch geht es aufs Meer hinaus


Biberach - Einen ausgezeichneten Liederabend mit Werken britischer Komponisten hat das Kulturamt Biberach zusammen mit dem Partnerschaftsverein am Sonntag im Rahmen der Guernsey-Wochen in der Stadthalle veranstaltet. Zu hören gab es eine Uraufführung von Derek Healey sowie Werke von Benjamin Britten, Edward Elgar und John Ireland. Gesangssolistin des Abends war Saskia Klumpp (Deutsche Oper Berlin), begleitet am Flügel von Anita Keller (Hochschule für Musik "Hanns Eisler", Berlin). Alle Werke drehten sich um das Thema Meer.

Sie waren die Protagonisten des Liederabends mit Werken britischer Komponisten: (v. l.) Dr. Jörg Riedlbauer, Pianistin Anita Keller, Komponist Derek Healey und Sängerin Saskia Klumpp. SZ-Foto: Gerhard TrügKulturamtsleiter Dr. Jörg Riedlbauer (l.) unterhielt sich mit dem anwesenden Komponisten Derek Healey (3.v.l.), der eigens zur Uraufführung seines Werks "Seascapes and Shanties" op. 135, aus seiner Wahlheimat Brooklyn nach Biberach gekommen war. Gleich zu Beginn ging es fulminant mit "Surf-smoke" (Brandungsnebel), dem ersten der sechs Lieder dieses Zyklus los. Atonale, zupackende Akkordschichtungen im Klavier gaben der Sängerin die Grundlage für die Ausgestaltung der schwierigen Singstimme, die immer wieder auf Höhepunkte zusteuerte.

Ganz gegensätzlich dazu "You Bunch of Rose" ("Du, Strauß von Rosen"), mit schlichter Moll-Melodie und spärlicher Klavierbegleitung. In bester Shanty-Manier kam "The Fishes" im Dreiertakt mit eingängigem Refrain, aber bizarrer Begleitung daher. Beim sehr ruhigen "Moon Jelly" ("Mondpudding") wurden der Sängerin schwierige, sehr große Intervalle abverlangt, die sie bravourös meisterte, wie auch die absoluten Hochlagen der Stimme, die sie in großen Spannungsbögen mit meisterlicher Gesangstechnik erreichte. Ihre schöne, volle Altstimme war in allen Registern ganz präsent. Sie beherrschte differenzierte Dynamik mit zurückgenommenem Piano in der Höhe ebenso wie dramatisches Forte, das in der Lage ist, auch größere Konzertsäle mit besserer Akustik zu füllen.

Anita Keller am Klavier war ihr eine kongeniale Partnerin, die die oft sehr schwierigen Stellen präzise und dynamisch ausdifferenziert, immer im Verbund mit der Singstimme gestaltete. Im englisch geführten Gespräch mit Kulturdezernent Riedlbauer erläuterte Derek Healey kurz Biografisches: Er lebte zeitweise auf Jersey, emigrierte nach Kanada, wo er sich mit der Musik der Eskimos, aber auch mit John Cage auseinandersetzte. Früh schon beschäftigte er sich mit der Zwölftontechnik und mit Atonalität, die er auch in seiner hier vorgestellten Uraufführung anwandte.
Mit gerade mal 24 Jahren komponierte Benjamin Britten sein op.11, "On This Island", im neoklassizistischen Stil, bei dem vor allem die hier vorgetragene "Nocturne" mit ihren gebrochenen Moll-Dreiklängen ein Ohrenschmaus war. Das traditionelle "Sea Fever" von John Ireland fing die Liebe zum Meer im Text sowie in der Melodie ein, von den Künstlerinnen lustvoll musikantisch musiziert.

Der Zyklus "Sea Pictures" von Edward Elgar präsentierte wieder ganz verschiedene Stimmungen. Er hat die Liebe, insbesondere zum Meer, zum Inhalt, von Elgar musikalisch durch elegische Melodien ausgedeutet. Beim letzten Stück, "The Swimmer", hält allerdings die wilde See Einzug, denn ein Unwetter wütet, was dem Klavier tiefe Tremoli abverlangte und bei dem die Sängerin nochmals ihre wunderbare Stimme voll zur Geltung bringen konnte.

 

Text & Foto: Gerhard  Trüg
Schwäbische Zeitung 13.10.2015 (Biberach)
© 2009 by Saskia Klumpp